Viele Unternehmer tun Gutes, die Spannbreite möglicher Projekte ist riesig. Wie kommt man als Mäzen auf das richtige Engagement, wie wählt man aus?

Mein Mann und ich haben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass man zwar vieles sehr professionell planen kann, dass sich manche Dinge aber von selbst fügen, wenn man die Augen offen hat und mit dem Herzen hört. Im Fall unserer Stiftung war es so, dass wir einen Herzchirurgen in München kennenlernten, der uns von vielen Kindern aus den ärmsten Ländern der Welt erzählte, die eine Herz-Operation brauchen. Das war der Grund, dass mein Mann und ich die „Herz für Herz Stiftung für Leben!“ ins Leben gerufen haben. Durch Prof. Heinrich Netz und seinen Kollegen Dr. Trong-Phi Lê erfuhren wir, dass in Vietnam die meisten Kinder mit angeborenen Herzfehler geboren werden, auch aufgrund der Nachwirkungen der Entlaubungsgifte während des Vietnamkriegs. So kam die Errichtung der „Herz für Herz Kinderherzstation“ in Da Nang zustande.

War der Stiftungslehrstuhl ihres Mannes auch so eine Zufallsbegegnung?

Im Grunde schon, obwohl das Thema „Motivation“ natürlich schon immer das Thema meines Mannes ist. Aber entscheidend war die Begegnung mit den beiden Jesuiten Prof. Michael Bordt und Prof. Dr. Godehard Brüntrup von der Hochschule für Philosophie in München.

Wie wird aus einer Begegnung ein Projekt?

Indem man zunächst gemeinsam überlegt, was getan werden müsste – und es dann einfach macht. Ich vergesse nie das erste Kind, das wir im Deutschen Herzzentrum operierten: die dreijährige Witness aus Tansania, danach operierten wir elf Kinder aus unterschiedlichen Ländern hier in München, bis wir merkten, dass es sinnvoller wäre, vor Ort die Hilfe zur Selbsthilfe zu fördern.

Das klingt nach trial and error. Das Konzept Ihrer Stiftung stand also nicht von Anfang an fest?

Nicht sofort, aber nach den ersten erfolgreichen Operationen in Großhadern fragten wir uns, ob es nicht besser sei, die hohen Kosten für eine Operation in Deutschland in die Einrichtung eines Herzkathederlabors in den Heimatländern zu investieren und unsere Spezialisten dorthin zu schicken, damit sie junge Ärzte anlernen können. Das haben wir mit der großartigen ehrenamtlichen Unterstützung von Prof. Netz und Dr. Trong Phi Lê getan. Aufgrund einer großen Spende ist es der Stiftung nun möglich, ein weiteres Herzkatheter-Labor zu beschaffen. Mit diesem Labor wird demnächst eine Kinderherzstation im Universitätskrankenhaus in Ho Chi Minh City eröffnet, mit dem gleichen Ziel wie in Da Nang.

Was ist für Sie das Motiv, sich derart zu engagieren?

Wir wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben. Wir haben alles erreicht, vieles davon durch sehr viel Disziplin und harte Arbeit, aber wir wissen auch, dass ein solcher Erfolg nicht selbstverständlich ist und nicht alle Menschen unsere Chancen haben. Wenn sie dann das Glück der Kinder und ihrer Familien nach einer erfolgreichen Operation sehen, wenn sich alle weinend in den Armen liegen, dann ist das eine unglaubliche Verbundenheit, ein Glücksgefühl, das jeden Einsatz unendlich aufwiegt.

Gilt das auch für Ihr Engagement für die Hochschule?

Natürlich ist das nicht ganz so emotional, aber die Erkenntnisse, die sich am Lehrstuhl ergeben aus der philosophischen Herangehensweise an das Thema Motivation, inspirieren uns sehr und erfüllen uns mit großer Freude und Genugtuung.

Gibt es Regeln für erfolgreiches gesellschaftliches Engagement?

Sich nicht verzetteln, nicht die ganze Welt retten, sondern sich auf ein Projekt konzentrieren und das dann einfach machen, aber richtig.

Wie findet man das richtige Projekt, das richtige Thema?

Es kommt nicht so sehr auf das Thema an, für das man sich engagiert, sondern auf die Professionalität, mit der man sein Engagement umsetzt. Wenn schon, dann muss man es richtig machen. Wir sind an unsere Stiftung genauso herangegangen wie an unsere Firma, und natürlich haben wir von den jahrzehntelangen unternehmerischen Erfahrungen profitiert. Soziales Engagement braucht genauso professionelles Management wie ein Business.

Was heißt das bei Ihnen konkret?

Wir geben kein Geld, sondern wir sorgen für die medizinischen Geräte und die Ausbildung der Ärzte vor Ort und kontrollieren mehrmals jährlich sehr streng. Außerdem haben wir uns eine attraktive Veranstaltung ausgedacht, die andere dazu bewegt, die Stiftung zu unterstützen: einmal im Jahr haben wir im Bayerischen Nationaltheater 300 Plätze in einer Ballett-Aufführung, zu der wir über unsere Netzwerke Gäste einladen. Allein im letzten Jahr gingen bei dieser Benefiz-Ballettgala, die für die Stiftung absolut kostenlos ist, Spenden in Höhe von über einer Million Euro ein.

Tue Gutes und sprich darüber?

Nein, uns geht es nicht um Schlagzeilen, ich kann diese Charity-Prominenten eigentlich nicht ausstehen. Engagement muss von innen kommen, nicht von der Anerkennung anderer leben. Uns geht es um die Kinder, denen wir helfen.

Wie sehen Sie den Bettler, der immer sonntags vor dem Kirchenportal steht?

Da habe ich immer ein gespaltenes Gefühl: natürlich kann das eine Bettlerbande sein, zumal man den Mann den ganzen Tag irgendwo in Schwabing rumhängen sieht. Nur: dann ist er auch ein armer Kerl in irgendwelchen Abhängigkeiten. Ich gebe mal was, mal nicht, am liebsten würde ich ihm Essen oder Kleidung geben, aber das habe ich am Sonntag zur Kirche nicht dabei.

Sie engagieren sich auch für Ihre Kirche, die ist doch eigentlich wohlhabend genug in Deutschland?

Mir geht es nicht darum ob die Kirche wohlhabend ist, sondern darum, auch mal neue Ideen einzubringen. So entstand die Idee der Messereihe „Denken und Beten“ und der alljährlichen „Ballettmesse“ in St. Sylvester. Kirche ist für mich nicht einfach nur die Institution, die Kirchensteuer erhält, sondern sie ist auch meine Heimat. Gerade die Messen in St. Ursula mit dem hervorragenden Dekan David Theil und den Jesuiten-Professoren der Hochschule für Philosophie in St. Sylvester, sind für mich eine große Bereicherung, erfüllen mich, geben mir Kraft, Gutes zu tun und dankbar für mein Leben zu sein.

Interview: Gerd Henghuber

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